Mitteilung

Berner Filme gewinnen Zürcher Filmpreis

Wir gratulieren den Berner Gewinner:innen des Zürcher Filmpreises 2023! Die Preisverleihung findet am 16. November statt.

Zürcher Filmpreis 2023 für den besten Kurzfilm
«Fälle» von Mischa Hedinger und Michela Flück, produziert von Mini Films, Burgdorf

Begründung der Jury:
Als Grenzgänger zwischen Experimental- und Spielfilm, zwischen Tragik und Komik, Absurdität und Abstraktion überrascht dieser Film immer wieder aufs Neue. Es geht um Menschen, die nie ganz ankommen, die nie ganz dazu gehören. Um Außenseiter, Einzelgänger, Suchende. Es geht um die «Suche nach Halt und Solidarität in einer streng geregelten Welt», wie die Synopsis des Films so wunderbar beschreibt. Frei adaptiert nach Daniil Charms übersetzt er dessen absurde Poesie in gegenwärtige, mehrdeutige Bilder – allerdings stets mit einer zeitlosen, universellen Wirkungskraft.

Das Regie-Duo Mischa Hedinger und Michela Flück versinnbildlicht das Grenzgängertum ihres Films in ihrer kreativen Zusammenarbeit. Zwischen Theater, Film und Performance verstehen sie es, einen grossartigen Cast zu einer fantastischen kollektiven Schauspielleistung zu motivieren.

Deshalb zeichnen wir «Fälle» mit dem Zürcher Filmpreis für den besten Kurzfilm aus und möchten damit insbesondere die beeindruckende kreative Kollaboration des Regie-Duos ehren. «Fälle» repräsentiert für uns experimentelle Filmkunst, von der wir gerne mehr sehen möchten in den kommenden Jahren.

 

Djibril Vuille
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2023 in der Kategorie Kurzfilm für die Dialoge in «Aminata»

Begründung der Jury:
Wohl nur wer selbst mal versucht hat, intelligente authentische aber euch emotionale und frische Dialoge zu schreiben, weiss, wie schwer das ist. Der Regisseur und Drehbuchautor Djibril Vuille brilliert mit den Dialogen seiner Protagonisten in Aminata und verdient somit eine Auszeichnung für diese herausragende Leistung. Von der ersten Sekunde an schliesst man seine Figuren ins Herz, weil sie so sprechen, wie sie sprechen. Der Rhythmus der Wörter, die Poesie der Sprachbilder, der Humor aber auch die Menschlichkeit verzaubern einen und schaffen Kinomomente, die unabhängig von der Handlung berühren und begeistern.

Mit dieser Auszeichnung wollen wir auch unseren Hut vor dem neuen Schweiz-Afrikanischen Kino ziehen, von dem wir in Zukunft hoffentlich noch viel mehr sehen werden.

 

Maria Kaur Bedi & Satindar Singh Bedi
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2023 in der Kategorie Dokumentarfilm für das kreative Gesamtkonzept von «The Curse»

Begründung der Jury:
Die in Bern geborene Filmemacherin Maria und der Inder Satindar verlieben sich ineinander. Doch seine Alkoholsucht verhindern auf fatale Weise ihre gemeinsame Zukunft. Eine poetische, hypnotische, autobiografische, epische Liebesgeschichte zweier durch die Sucht gespaltener Seelen, die versuchen, ihre Liebe zu retten.

Schonungslos zeigen uns zwei Menschen die Geschichte ihrer Beziehung. Mit ihrer innovativen, experimentellen Bildsprache und einem eindrücklichem Ton-Konzept kreieren die Filmemacher eine kathartische Wirkung. Der Film zieht in seinen Bann und entwickelt einen regelrechten Sog. Durch die aussergewöhnliche Intimität und schonungslose Ehrlichkeit der Filmschaffenden, beleuchten sie ein gesellschaftliches Tabu in all seiner Drastik. Die Filmemacher berichten aus der Innenwelt ihrer Liebe, verwandeln Gefühle in visuelle Poesie und führen uns in die brutalen Realitäten des Alkoholismus.

 

Sandro Di Stefano, Hiltraut Hauschke, Uli Krohm, Vilmar Bieri, Hans Diehl, Julia Brendler, Bodo Krumwiede, Jens Wachholz, Gottfried Breitfuss, Marcus Schäfer, Regula Steiner Tomic, Ingrid Resch
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2023 in der Kategorie Spielfilm für das Schauspielensemble von «Aller Tage Abend»

Begründung der Jury:
Das Alter. Da gibt es nichts zu lachen, oder? In Felix Tissis Welt wird die Vorstellung vom letzten Lebensabschnitt als ewiger Kampf gegen Gebresten und Einsamkeit ad absurdum geführt. Wer jemanden kennenlernen will, verursacht einfach einen kleinen Autounfall. Und wer schon jemanden hat, empfindet Liebe und Vertrauen beim gemeinsamen Abwasch oder beim Socken aufhängen. Aber auch streiten kann äusserst lustvoll sein.

In ausgeklügelten Szenenbildern skizziert der Regisseur diese Welt. Aber das würde nicht funktionieren ohne ein Schauspielensemble, das den Schalk, aber auch den Schmerz fein austariert, mitträgt. Es sind Schauspielerinnen und Schauspieler aus verschiedenen Ländern, die wir nicht unbedingt kennen im Kino. Und die doch diesem Film ein starkes Gesicht geben. Mit solchen Menschen ist leicht zu lachen und zu weinen. Grosses Schauspiel.